Die Zukunft ist weiblich

Die Zukunft ist weiblich – Wann profitieren Anleger? Der Frauenanteil in den Entscheidungsgremien der Wirtschaft
steigt langsam, aber stetig. Zum Vorteil der Unternehmen.

Es war kein Zufall, was die zwei Schweizer Grossbanken in den letzten Wochen verkündeten. Zuerst gab die UBS die Nominierung der Hochschulprofessorin Beatrice Weder di Mauro und der Zürcher Anwältin Isabelle Romy
in den Verwaltungsrat bekannt. Kurz darauf zog die Credit Suisse nach und berief die Professorin Iris Bohnet, die in den USA unterrichtet, in das Aufsichtsgremium der Bank. Es sind symbolträchtige Schritte, denn egal, ob Industrie-, Schwellen- oder Entwicklungsland: Die Frauen werden immer häufiger in Entscheidungsgremien sitzen
und die Zukunft der Wirtschaft aktiver mitgestalten. Aber es ist eine langsame Entwicklung. Heute bilden Studentinnen an den Schweizer Hochschulen zwar die Mehrheit, doch Frauen in Führungspositionen sind noch
immer relativ selten anzutreffen, vor allem in der Finanzwelt.

Frauen erhöhen die Rendite

Zwar ist der Frauenanteil auf Geschäftsleitungsebene in Schweizer Unternehmen in den letzten zehn Jahren auf 5 Prozent gestiegen. Gemäss Schilling-Report 2011 gibt es jedoch nur vier weibliche CEO, das sind lediglich 3 Prozent. In den SMIUnternehmen sind 6 Prozent Frauen in der Geschäftsleitung tätig. Die Verwaltungsräte haben einen Frauenanteil von lediglich 10 Prozent. Unbestritten scheint, dass sich hohe Geschlechterdiversität in den Führungsgremien von Unternehmen positiv auswirkt. Laut Martha Maznevski, Professorin am International Institute for Management Development in Lausanne, weisen Unternehmen mit einer höheren Anzahl Frauen im Topmanagement auch die besseren Unternehmensleistungen. Die Firmen hätten sowohl bessere Eigenkapital-renditen als auch einen besseren Return on Investment, ein höheres Betriebsergebnis sowie eine bessere Aktienkursentwicklung. Schon der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften wird sich in Zukunft verschärfen.
Unternehmen werden auf die weiblichen  50 Prozent der Arbeitnehmenden künftig nicht mehr verzichten können. Gemäss einer McKinsey-Studie könnte der für das Jahr 2040 prognostizierte Mangel von 24 Millionen Arbei-tnehmenden in Europa theoretisch auf 3 Millionen verringert werden, hätten Frauen dieselbe Erwerbsquote
wie Männer. Als Anleger auf Frauen setzen Die EU hat erste Schritte in Richtung einer gesetzlich geregelten Frauenquote unternommen. Für EU-Kommissarin Viviane Reding ist klar, dass das Potenzial der Frauen
besser genutzt werden müsse. Sie sei zwar kein Fan von Quoten, aber sie möge die Ergebnisse, die Quoten mit sich brächten.  Nach Ablauf der Konsultationsfrist am 26. Mai entscheidet Reding, ob und in welcher Höhe Quoten mehrheitsfähig sind. Dass die Banken nicht auf den Trend aufspringen und damit beginnen, vermehrt
geschlechtsspezifische Anlageprodukte auf den Markt zu bringen, hat wohl einen simplen Grund: Es ist nicht eindeutig erwiesen, dass Frauen anders investieren als Männer. Professorin Renate Schubert von der ETH
Zürich legte in einer Untersuchung im Jahr 2009 dar, dass Frauen risikoscheuer anlegten als Männer, unter anderem, weil ihre Einkommen und Vermögen kleiner seien. Eine andere Studie (vom Mai 2011), stellte
dagegen kein geschlechtsspezifisches Anlageverhalten fest. Immerhin hat die Bank Coop seit einigen
Jahren «Eva» im Angebot, ein spezielles Beratungsprogramm für Frauen. Und Anleger sollten darauf achten, welche kotierten Firmen besonders viele Frauen in den Entscheidungsgremien haben. Laut Professorin
Maznevski aus Lausanne haben diese Firmen nämlich auch eine bessere Aktienkursentwicklung.

Quelle: cash VALUE vom 18. April 2012 / Artikel von Sven Zaugg und Daniel Hügli

 

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