54 Prozent der Frauen sind unzufrieden mit ihrer beruflichen Situation

Generation Sandwich – Chancengleichheit? Von wegen!

Sie wollten alles, und alles schien möglich. Eine Generation von Frauen, aufgewachsen im Glauben an die Chancengleichheit, ist heute ernüchtert – und erschöpft vom Spagat zwischen Karriere und Familie.

Es hat alles so gut angefangen. Sie sind in den Siebzigerjahren mit den Buben auf die Bäume geklettert und haben in den Achtzigern mit ihren Freundinnen Selbstverteidigung gelernt. Keine Sekunde haben sie daran geglaubt, dass sie weniger erreichen könnten als ihre Brüder und Schulkollegen. Emanzipation und Gleichberechtigung waren die Schlagworte der Stunde. Ihre Mütter sympathisierten mit der Frauenbewegung und impften ihnen ein, wie wichtig Bildung ist. Die Töchter folgten dem Rat der Mütter: Sie stürmten die Gymnasien und später die Universitäten. Alles schien möglich.

Zum ersten Mal nahmen junge Frauen für ihre Karriere den Vater als Massstab. Eine Mutter, die ihren Beruf wegen der Familie aufgibt, so wie das in der Schweiz damals üblich war, taugte nicht mehr als Vorbild. Der Vater, der ein eigenes Unternehmen leitet, dagegen schon. Und tatsächlich: Nie zuvor etablierten sich so viele junge Akademikerinnen erfolgreich im Beruf wie in den Neunzigern. Rasch folgten die ersten Karriereschritte.

Manuela K. (42) ist eine fröhliche Natur. Sie will anonym bleiben – wer möchte schon, dass der Arbeitgeber liest, wie gestresst man ist? Gleich nach dem Studium verwirklichte die Architektin ihren Traum und gründete ein eigenes Büro. Wie das dereinst funktionieren soll, wenn man zwei kleine Kinder hat und sechzig Prozent arbeitet, daran verschwendete sie allerdings keinen Gedanken. Als ihr erster Sohn zur Welt kam, war es aus organisatorischen Gründen naheliegend, das eigene Büro wieder aufzugeben und den sicheren Assistentenjob an der Hochschule zu behalten. Sie empfand das sogar als «glückliche Fügung». Trotzdem fasst sie ihr Lebensgefühl heute so zusammen: «Zu wenig Zeit für alles.» Die Hausarbeit bleibt – wie es laut einer neuen Studie in acht von zehn Schweizer Familien der Fall ist – an ihr hängen. An der Hochschule wurden über die Jahre einige Assistenten zu Dozenten befördert. Manuela K. nicht, sie konnte ja auch kaum eigene Entwürfe vorweisen. «Dafür hat es definitiv nicht mehr gereicht.» Sie war dankbar, dass ihr Arbeitgeber es hinnahm, dass sie wegen ihres kränklichen Sohnes immer wieder zuhause bleiben musste. Wegen der Absenzen hatte sie ständig ein schlechtes Gewissen – wer möchte da noch Karriereansprüche anmelden? Längst ist der Traum vom eigenen Architekturbüro begraben, sie hat eine schlechter bezahlte Stelle im technisch-administrativen Bereich der Uni angenommen. «Eigentlich bin ich zufrieden», sagt sie. Und fügt nach kurzem Nachdenken hinzu: «Unangenehm ist nur, dass man diesen einen Satz nie ganz aus dem Kopf kriegt: Wer es wirklich will, schafft es auch.»

Ein Satz, der Frauen fertigmacht. Natürlich ist an ihm etwas dran. Doch man sollte gleich hinzufügen: Wahrscheinlich hat es noch nie so viel Willen gebraucht wie heute, «es» zu schaffen. «Die Babyboomer, also die zwischen 1945 und 1965 Geborenen, waren eine automatisch glückliche Generation», sagt François Höpflinger. Er ist Soziologieprofessor an der Universität Zürich und hat zahlreiche Bücher zu Generationenfragen publiziert. «Sie wurden in den Sechzigern und Siebzigern sozusagen hochgeschwemmt, weil unqualifizierte Einwanderer die schlecht bezahlten Stellen übernahmen.» Das hat sich in den beiden letzten Jahrzehnten, als immer mehr gebildete Menschen in die Schweiz eingewandert sind, geändert. Der Arbeitsmarkt hat sich globalisiert, die Konkurrenz ist grösser geworden.

Von unten drängt zudem bereits die nächste Generation nach, eine, die noch besser ausgebildet ist und mit Fremdsprachen und Computerkenntnissen geradezu imprägniert wurde. François Höpflinger beschreibt die Situation so: «Während die Babyboomer auf einer Rolltreppe hinaufgefahren sind, rennen die zwischen 1965 und 1975 Geborenen auf einer abwärtsfahrenden Treppe nach oben. Sie erreichen ihre Ziele nur mit grösstem persönlichem Einsatz.» Douglas Coupland hat ihnen in seinem Kultbuch den Namen «Generation X» gegeben und sie als erste Generation charakterisiert, die es zu weniger Wohlstand und Sicherheit bringt als die Eltern.

Nirgendwo in Europa stecken so viele Frauen beruflich zurück, wenn sie Kinder bekommen, wie in der Schweiz

Matthias Mölleney war Personalchef der Swissair und berät heute Firmen, Organisationen und Führungskräfte. Er weiss aus Erfahrung: «Möglich ist der Aufstieg trotz allem. Ich kenne keinen Personalchef, der nicht Schwierigkeiten hat, geeignete Führungskräfte zu rekrutieren. Gerade Frauen sind gesucht wie nie.» Er ortet das Problem anderswo: «Diese Generation steht sich selbst im Weg.» Heute sei man mit einem tollen Job allein nicht mehr zufrieden. Man wolle auch noch ein Leben neben der Arbeit: Freizeit. Hobbys. Familie. Work-Life–Balance heisst das Sehnsuchtswort der Zeit. Man will es anders machen als die ältere Generation, die «mit dreissig stirbt, um mit siebzig begraben zu werden» (Douglas Coupland). Daraus sei leider nichts geworden, sagt Matthias Mölleney. «Als die heute Vierzigjährigen ins Arbeitsleben einstiegen, konnte die Wirtschaft die Bedingungen diktieren: Wer weiterkommen wollte, der musste sich anpassen und Vollzeit arbeiten.»

Die meisten Frauen sind diesen Weg nicht gegangen. Sie haben Kinder bekommen. Und ihre bis dahin ebenso vielversprechenden wie individuellen Lebensläufe sehen sich auf einmal zum Verwechseln ähnlich: ein dicker Bauch, ein Mutterschaftsurlaub, ein Teilzeitpensum. Nirgendwo in Europa stecken so viele Frauen beruflich zurück, wenn sie Kinder bekommen, wie in der Schweiz: Nur noch 15 Prozent sind voll berufstätig, zwei Drittel arbeiten Teilzeit. Für manche ist damit tatsächlich die lang ersehnte Work–Life-Balance wahr geworden. Aber fest steht auch: Mit sechzig Prozent macht niemand Karriere. Es ist anstrengend genug, sich in einem anspruchsvollen Job zu behaupten.

An die Stelle des früheren Optimismus ist ein diffuses Unbehagen getreten: Die Mütter sind erschöpft von einem hochtourigen Leben. Der viel beschworene Hut, unter den man Familie und Beruf bringen soll, ist immer zwei Nummern zu klein. Eine ganze Müttergeneration fühlt sich im Sandwich. Kind und Karriere, das mag in der Theorie gut klingen – in der Praxis wird schnell klar: Den Traumberuf gibt es nicht 9 to 5. Und eine Mutter, die auf dem Spielplatz dauernd am Blackberry hängt, hat keine Nerven für die Kinder. Vielleicht, ahnen manche Frauen jetzt, ist es mit der Gleichberechtigung doch noch nicht so weit her, wie sie geglaubt haben.

Sandra de Vito (41) hat nach dem Studium der Betriebswirtschaft unter anderem als Beraterin in einer Consultingfirma gearbeitet, Vollzeit. Heute ist sie zweifache Mutter, der Ehemann hat wie neun von zehn Vätern von Kleinkindern ein Vollzeitpensum. Sie hat eine 40-Prozent-Stelle und ist froh, dass sie «es irgendwie organisieren» kann. Sie kennt die strukturellen Hürden, die die Karriere von Müttern einknicken lassen. In ihrem alten Job hätte sie weder Sitzungen noch Geschäftsreisen einfach «sausen lassen» können, wenn ein Kind krank war, obwohl ihr das rechtlich zugetanden hätte. Zudem müsse sie ihren Sohn, wenn der Kindergarten ausfällt, in einen Hort begleiten, der sich am andern Ende der Ortschaft befindet. «Solche unvorhergesehenen Ereignisse aufzufangen, ist schwierig, wenn man Vollzeit arbeitet.» Sie habe sich mit der neuen beruflichen Situation abgefunden. Aber dass es auch für Frauen schwierig ist, das Karrieretreppchen wieder hinunterzusteigen, wird deutlich, wenn sie sagt: «Ich bin froh, dass ich nicht bei meinem alten Arbeitgeber zurückbuchstabieren musste.»

Auch wenn unsere Arbeitskultur flexibler werden muss und es in der Schweiz zu wenig Tagesschulen gibt: Es ist ein Irrglaube zu meinen, die berufliche Selbstverwirklichung der Mütter sei allein eine Frage der Organisation. Es gibt auch ökonomische Zwänge: Jener Elternteil reduziert, der weniger verdient – in der Regel also die Frau. Hinzu kommen die persönlichen Prioritäten: Die heute Vierzigjährigen haben wegen der langen Ausbildung spät Kinder bekommen. Der Entscheid ist gut durchdacht, die Mutterrolle wird ernst genommen. Der Boom von Erziehungsliteratur belegt, wie bewusst die neue Lebensphase gestaltet wird. Diese Frauen möchten wie Manuela K. und Sandra de Vito ein Stück Alltag mit ihren Kindern teilen und sie selbst erziehen. Man hat nicht Kinder, so die vorherrschende Meinung unter den befragten Frauen, um sie an fünf Tagen abzugeben.

Das sieht auch Silvia Biason so. Sie ist vierzig Jahre alt und Mutter von zwei Kindern im Vorschulalter. Sie arbeitete «vor den Kindern» als Mediensprecherin bei Schweiz Tourismus. Als ihr erstes Kind zur Welt kam, kündigte sie. Heute arbeitet sie vierzig Prozent bei der Swiss. Im selben Beruf, aber in einer Stellung deutlich unter ihrem Leistungsprofil. «Das ist auch meinem Chef bewusst.» Auf lange Sicht möchte sie wieder aufstocken. «Es war mir deshalb sehr wichtig, in meiner Branche zu bleiben.»

Ob der Plan aufgeht? Personalberater Matthias Mölleney hat seine Zweifel: «Leider sehen häufig weder der Chef noch die Kollegen ein, warum jemand aufsteigen soll, der zuvor reduziert hat.» Der Generation Sandwich geht es erstaunlicherweise nicht anders als der älteren Müttergeneration, die nach einer 15-jährigen Familienphase den Wiedereinstieg versuchte: «Die Mütter merken: Die Welt hat nicht auf mich gewartet.»

Der Hut, unter den man Familie und Beruf bringen soll, ist immer zwei Nummern zu klein

Aber kann man das überhaupt erwarten? Oder ist das der vermessene Wunsch nach dem Fünfer und dem Weggli? Vielleicht ist der Anspruch tatsächlich (noch) unrealistisch. Andererseits: Diese Frauen haben es sich zum Ziel gesetzt, ökonomisch auf eigenen Füssen zu stehen, was bei einer Scheidungsrate von fünfzig Prozent ja durchaus Sinn macht. Doch heute reicht es oft nur zu einem faulen Kompromiss. Vor die Wahl gestellt, ob die Familie oder der Job zu kurz kommen soll, schrauben sie die Ansprüche an den Job immer weiter herunter. Sie geniessen zwar die Zeit mit ihren Kindern, aber das Problem ist, dass man «sein Gehirn und seinen Intellekt nicht im Gebärsaal abgegeben hat», wie es eine Werberin formuliert. Vor der Familiengründung hat sie auf Direktionsstufe Verhandlungen geführt und strategische Entscheidungen getroffen. Seit sie Kinder hat und sechzig Prozent arbeitet, sei sie «auf die Position einer Projektleiterin hinuntergerutscht».

Ambitionen müssen beerdigt werden. Das legt jedenfalls eine neue Studie des amerikanischen Center for Work-Life Policy nahe. Laut der Erhebung bezeichnen sich rund 70 Prozent der 35- bis 45-Jährigen als ehrgeizig, Frauen erstmals genauso oft wie Männer. 61 Prozent der Frauen geben sogar an, sie wünschten sich einen Topjob. Die Studie fasst den Frust der Frauen in Zahlen: 54 Prozent sind unzufrieden mit ihrer beruflichen Situation und fühlen sich ausgebremst.

Die ehemalige Fernsehjournalistin Karina Fehlmann (43), vier Kinder, kennt dieses Gefühl. Sie sagt: «Ich habe schon so manchen Zug an mir vorbeiziehen sehen.» Sie arbeitete als Chefreporterin und Moderatorin bei Privatsendern, ihr Mann war ebenfalls in der TV-Branche. «Ich stand auf der Karriereleiter sogar eine oder zwei Sprossen über ihm.» Doch als sie mit ihrem zweiten Kind schwanger war, stellten TV3 und Tele 24 den Betrieb ein, sie und ihr Mann wurden arbeitslos. Ihrem Mann wurde noch am selben Tag ein Job beim Schweizer Fernsehen angeboten – an seiner schwangeren Frau war niemand interessiert. Mama blieb zuhause und gebar zwei weitere Kinder. Ihr Berufsleben besteht heute aus einigen kleineren Jobs, ansonsten ist die Rollenteilung klassisch. Früher haben ihr Partner und sie sich vorgestellt, wie sie nach der Familiengründung beide weiterhin in ihren Medienjobs tätig sind und sich die Kinderbetreuung teilen. Heute sagt sie dazu nur: «Modernes Geschwätz.»

Sie hat alle Möglichkeiten durchgespielt: Beide Teilzeit arbeiten? Dann dümpeln zwei in subalternen Positionen, bei kleinerem Familieneinkommen. Fremdbetreuung für vier Kinder? «Wenn man kein Anrecht auf Subventionen hat, fast unerschwinglich.» Und den Rollentausch, den ihr Partner angeboten hat, hat sie abgelehnt. «Dafür bin ich dann doch zu sehr Mutter.» Die Mischung aus Frust und mangelnder Bereitschaft, Vollzeit zu arbeiten, mag widersprüchlich oder sogar bequem erscheinen. Für Mütter wie Karina Fehlmann ist sie jedoch schlicht das, was vom Versuch, Beruf und Familie zu vereinbaren, übrig bleibt.

Christina Kuenzle war Mitglied der Konzernleitung von Sulzer und kennt die Tücken weiblicher Karrieren bestens, seit sie eine eigene Coaching-Firma betreibt. Sie stöhnt angesichts des «komplexen Themas» und kritisiert, dass Firmen jungen Frauen «vorgaukeln», Karrieren seien jederzeit möglich, anstatt offenzulegen, in welchen Funktionen später Teilzeitarbeit realistisch ist und in welchen nicht. Das mache die sowieso schon schwierige Laufbahnplanung (wie soll Frau wissen, ob sie später Kinder hat?) noch anspruchsvoller. Viele Frauen stünden nach der Geburt ihrer Kinder beruflich vor einem Scherbenhaufen oder seien zumindest stark verunsichert. Zudem komme es immer wieder vor, dass Vorgesetzte ihre Mitarbeiterinnen «aufgeben», wenn sie Kinder bekommen: keine Konferenzen mehr, keine Führungsaufgaben, keine Förderung. «Es braucht ein gezieltes Maternity Coaching – für die Mutter und den Chef.»

Ines Klar (45) hat erlebt, wie schwierig es ist, sich (mit Kleinkindern) beruflich neu zu erfinden. Ihre Stelle als Werbeleiterin des Verkehrshauses Luzern gab sie ein halbes Jahr nach der Geburt der Zwillinge auf, weil ihre Entscheidungen in ihrer Abwesenheit ständig umgestossen wurden und das Pendeln von Zürich nach Luzern zu anstrengend wurde. Doch die sympathische Geschäftsfrau sagt von sich, sie brauche die intellektuelle Herausforderung, auch wenn sie in der Familie viel Freude und Erfüllung gefunden habe. Ihr drittes Kind war noch kein halbes Jahr alt, da gründete sie mit einer Freundin eine Firma und importierte exotische Früchte. Während ihr Mann von Montag bis Freitag in Österreich eine Bank aufbaute, stand sie um sieben Uhr auf dem Markt, nachts der Papierkram, alles sehr erfolgreich – bis sie die Reissleine zog und ausstieg. Es ging nicht mehr, obwohl sie eine Frau ist, die «keine Mühe mit Multitasking hat und gern viel arbeitet».

Nicole Althaus (43) gehört definitiv nicht zu den Frauen, die ihre Karriere im Windeleimer entsorgt haben. Heute sind ihre Töchter 12 und 8 Jahre alt, und sie ist Chefredaktorin der Zeitschrift «Wir Eltern». Doch es ist offensichtlich, dass sie einen Preis für den Erfolg bezahlt hat. «Ich weiss nicht, ob ich das zeitlich schaffe», ist ihre erste Reaktion auf die Interviewanfrage. «Ich bin ziemlich am Rand.» Kein Wunder, derzeit schreibt sie gemeinsam mit ihrer Kollegin Michèle Binswanger, mit der sie den viel beachteten Mamablog (auf Tagesanzeiger.ch) erfunden hat, auch noch ein Buch. Es soll das Porträt einer Generation von Frauen werden, für die Gleichberechtigung selbstverständlich schien, bis sie im täglichen Mehrfrontenkrieg zu wahren «Macho-Mamas» werden mussten – so der Titel. «Das Thema liegt in der Luft», sagt sie.

54 Prozent der Frauen sind unzufrieden mit ihrer beruflichen Situation und fühlen sich ausgebremst

Wer sich wie Nicole Althaus Teilzeit nach oben gearbeitet hat, realisiert schnell, dass dieser Weg kein «Wellness-Spaziergang» ist. «Jemand bezahlt immer einen Preis.» Manchmal seien es die Kinder gewesen, die wochenweise auch mal ein bisschen «wenig Mami» gehabt hätten, manchmal der Partner, mit dem so mancher «Verteilkampf» ausgefochten werden musste, sehr oft sie selbst, weil sie einfach sehr viel gearbeitet habe. «Das ist nicht anders, wenn Väter Karrieren machen. Nur wird dort die Vereinbarkeit nie zum Thema gemacht.»

Im Mamablog bezeichnete sie ihre Generation einst als «Versuchskarnickel der Emanzipation», über die es einen Mythos zu berichtigen gelte: «Dass wir nicht einfach Profiteurinnen der Frauenbewegung sind. Dass wir nicht bloss auf Stilettos bequem den Weg abschreiten können, den unsere Vorkämpferinnen in lila Latzhosen gepflastert haben. Denn es ist mindestens so schwierig, Gleichberechtigung zu leben, wie Gleichberechtigung zu propagieren.» Im Beruf müsse man sich als Mutter nicht nur gegen kinderlose Frauen und Männer durchsetzen, sondern auch gegen Väter, denen oft der Rücken freigehalten werde. Man habe weniger Zeit für Überstunden, Geschäftsreisen, Netzwerke. «Davor hat uns niemand gewarnt», sagt Nicole Althaus. «Als Mutter hast du andere Voraussetzungen. Ich spüre das jeden Tag.»

Deshalb sei es entscheidend, den richtigen Mann zu finden. Sie selbst hat früh realisiert, dass sie keine Lust hat, der Karriere eines Mannes hinterherzureisen und hat einen Mann geheiratet, der wie sie in leitender Position arbeitet und trotzdem um zehn Uhr morgens zur Schulschlussfeier antrabt. «Früher haben Frauen eine gute Partie geheiratet, um finanziell versorgt zu sein. Heute brauchen sie einen Partner, der zuhause voll mitzieht, damit sie beruflich weiterkommen.»

Wird es die nächste Müttergeneration einfacher haben? Matthias Mölleney ist zuversichtlich: «In den kommenden zehn Jahren werden 400 000 qualifizierte Arbeitnehmer in der Schweiz fehlen. Die Wirtschaft wird auf die Bedürfnisse der Mütter eingehen müssen.» Christina Kuenzle ist skeptisch: «Fachkräftemangel herrscht vor allem in naturwissenschaftlichen und technischen Berufen, und für diese interessieren sich Frauen, abgesehen vom Arztberuf, wenig. Und gerade Mütter wollen auch keinen schlecht bezahlten sozialen Beruf – da können sie gleich zuhause bleiben.» Für Christina Kuenzle ist klar: Damit mehr Frauen nach oben kommen, muss die Arbeitswelt, deren Spielregeln von Männern gemacht wurden, flexibler werden. Ein Teufelskreis: «Denn das kann erst geschehen, wenn mehr Mütter an der Spitze sind.»

Bis dahin bleiben uns Erfahrungen, wie Ines Klar sie neulich gemacht hat, erhalten. Die ehemalige Werbeleiterin erzählt von ihrem letzten Klassentreffen: Zwanzig kluge Mädchen seien sie gewesen, und alle hätten eine tolle Ausbildung gemacht. Aber nur zwei eine richtige Karriere. «Die beiden kinderlosen Frauen.»

 

Quelle: annabelle.ch / Artikel von Julia Hofer

 

 

 

 

 

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